Dezember 2016
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Vortrag über die Geschichte des Klosters St. Nikolaus in Adersleben Drucken

 Kloster1837

Aus der Geschichte des Klosters St. Nikolaus in Adersleben *

 

Quellen und Literatur

 

Über die Geschichte des Klosters St. Nikolaus in Adersleben liegt wenig Literatur vor. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um kurze Artikel in Zeitschriften  und Handbüchern aus dem 19. Jh. Unter dieser Literatur ist von besonderer Bedeutung die 1835 (37) in Halberstadt erschienene  Diplomatische Geschichte des Cistercienser - Nonnenklosters Adersleben. Der Wulferstedter Pastor Dr. Stephan Kunze stellt in dieser Schrift Urkunden und Handschriften in chronologischer Reihenfolge dar und bringt ein Verzeichnis der Äbtissinnen, Pröpste und Seelsorger, welches ab 1642 von der Äbtissin Anna Magdalena Pauermeister mit Hilfe des Propstes Matthias Schaper zusammengestellt wurde. Je ein Exemplar der beiden Ausgaben befindet sich im Archiv der Kirche.

Im Landeshauptarchiv Magdeburg sind 136 Urkunden von 1259 - 1673 erhalten. Dazu 4 Kopiare, Zinsregister, Klosterrechnungen, eine Chronik für die Zeit von 1732-1809, sowie diverse Aktenstücke, darunter solche der französisch - westfälischen Verwaltung.

Eine Urkunde aus der ersten Hälfte des 17. Jh. hat sich im Archiv der Kirche erhalten.

In neuerer Zeit  bearbeitete Cornelia Oefelein in den Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser das Thema: Das Nonnenkloster St. Jacobi und seine Töchterklöster im Bistum Halberstadt. Den neuesten Überblick über das Kloster Adersleben  liefert Monika Storm im Repertorium der Zisterzen in den Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen - Anhalt und Thüringen.

Adersleben ist eine alte Siedlung, die 978 in einer Urkunde Ottos II. erstmals als Villa Hadisleva im Schwabengau, in der Grafschaft Dietmars, erwähnt wird. Ältere Namensformen sind: Hadeslib, Hathisleve, Adesleb, Attesleve, Athensleve, später wurde durch den Volksmund in den Namen ein r eingeschoben.[1] Kirchlich gehörte Adersleben zum Archidiakonat Eilwardsdorf ( Ilwersdorf), eine Wüstung, die südlich von Gröningen lag.[2]

gruendung

Zwei Voraussetzungen zur Gründung eines Klosters in Adersleben, nämlich eine Grundausstattung  und ein Gründungskonvent waren erfüllt.

Eine Schenkung des Grafen Siegfried von Osterburg über 7 Hufe Land im Jahre 1213[3] und eine kurz darauf erfolgte weitere Schenkung im Jahre 1216[4]desselben Grafen über 25 Hufe in Adersleben und der dortigen Kirche mit 4 Hufen und einem Wald an das Burchardikloster, dazu kam  eine 1223[5]durch das Burchardikloster von dem Ritter Dietrich von Adersleben gekaufte Hufe Landes  in Adersleben.  setzte das Burchardikloster instand, diesen Besitz in Adersleben zur Grundausstattung seiner Tochtergründung zu verwenden.

In seiner Bestätigungsurkunde von 1267[6]erwähnt Bischof Volrad, dass er das neue Kloster deshalb genehmigt habe, weil das Mutterhaus, das Burchardikloster, überfüllt gewesen sei, also ein Gründungskonvent zur Verfügung stand. Im Ganzen  kann man aber feststellen, dass Bischof Volrad, der größte Förderer der Klöster St. Burchardi, Helfta, Herdersleben und Adersleben war und eine Vorliebe für den Zisterzienserorden hatte.

Die Geschichte unseres Klosters beginnt am 6. Dezember 1260, dem Tag des hl. Nikolaus. Zu diesem Tag berichtet Stephan Kunze in seiner Diplomatischen Geschichte folgendes: „ Die Einweihung des anfänglich kleinen Klosters zu Adersleben, verbunden mit der Überführung von vier Ordensfrauen aus S. Jacob - welche sich mit der Äbtissin Jutta und dem Probst Siffrid zu dieser Ortsveränderung entschlossen hatten - soll (laut einer alten Handschrift) am 6. December 1260 ( Die Nicolai) vom Bischof Volrad selbst, im Beisein einiger mitfungierender Domherren aus Halberstadt und sämtlicher Nonnen des Mutterklosters, in Gegenwart der Grafen Otto und Heinrich von Ascharien, Fürsten von Anhalt, wie auch vieler Ritter und Edelleute mit ihren Frauen, vollbracht sein. Aus dem Einweihungsgebet des Bischofs haben sich folgende Schlussworte erhalten:

- Dir befehle ich, o Herr! Diesen Berg, diesen Chor der dir geweihten Jungfrauen, diese Versammlung der hl. Weibsbilder. Bewahre du ihn, damit er nie entheiligt werde durch rohe Krieger und Feuersflammen, noch durch sie selbst in Unkeuschheit und Weltliebe. Erhalte den Bewohnerinnen die Reinigkeit des Gemüths, auf dass sie heilig sein dem Leibe und dem Geiste nach. Mit Huld und Gnade , Herr, siehe stets an diese jungfräulichen Herzen, diese Herzen, welche dir ergeben sind, in denen deine Majestät sich so rein und herrlich verklärt, und sei mit ihnen in dieser neuen Wohnung deines heiligen Nicolaus, wie du mit ihnen gewesen bist im Hause deines heiligen Jacob. Amen"[7]

Nehmen wir den 6. Dezember 1260 als Gründungsdatum des Klosters an, geraten wir in eine kleine Unschärfe. Für dieses Datum gibt es nur einen Gewährsmann, nämlich Stephan Kunze, der diesen Tag überliefert. Als Quelle verweist er auf eine alte Handschrift, ohne nähere Angaben dazu zu machen. Diese Handschrift ist heute nicht mehr erhalten. Eine eigentliche Gründungsurkunde von Bischof Volrad ist nicht überliefert, wahrscheinlich wurde gar keine ausgestellt. Das mag ein Grund sein, weshalb einige Autoren, z. B. Gustav Schmidt, das Jahr 1266 oder 1267 als das Gründungsjahr annehmen.

Allerdings wird das Gründungsdatum, der 6. Dezember 1260 also, durch zwei Urkunden sehr wahrscheinlich, so dass wir in Ruhe den 750. Jahrestag der Gründung unseres Klosters in diesem Jahr feiern können.

Das Stift Gernrode schenkt im Jahre 1260 eine Mühle bei Gundersleben und einen Garten an die Kirche St. Nikolaus in Adersleben und an die Frauen, die dort Tag und Nacht das Gotteslob beten.[8]

Bei dieser Kirche handelt es sich noch nicht um die Klosterkirche, sondern um die 1216 erwähnte Dorfkirche. Die Dorfkirche wurde später zu einer Kapelle, da das Dorf nach und nach mit seiner Flur in dem Kloster aufging. Um das Jahr 1530 bewilligte Erzbischof Albrecht die Bitte der Äbtissin Elisabeth Kramers und des Konventes, dass der Altar, der vor „korten jaren in der buer larm und uprur" in Dach und Fenster zerrissenen und zerschlagenen, nachher eingefallenen Kapelle ins Kloster gelegt würde. Gleichzeitig versprach das Kloster die Renten der Kapelle resp. der Pfarre wieder zuzueignen, sollte der Ort wiederhergestellt werden.[9]

In der zweiten Urkunde vom 14. November 1261 verspricht das Mutterkloster St. Jacobi und Burchardi im Notfall die nach Adersleben entsandten Nonnen wieder aufzunehmen.[10]

Aus beiden Urkunden lässt sich also schließen, dass zu diesem Zeitpunkt ein Zisterzienserinnenkonvent in Adersleben anwesend war, der in der Dorfkirche das Chorgebet feierte und im Notfalle im Mutterkloster wieder Aufnahme finden konnte

Von Anfang an gehörte zu den wichtigsten Förderern unseres Klosters, bis zum Aussterben der Aschersleber Linie, die Askanier.

In einer Urkunde vom 12. Juni 1266[11] verzichtete Graf Heinrich von Aschersleben, zu dessen Herrschaftsbereich Adersleben gehörte, auf sein Eigentum an Grund und Boden, auf dem das Kloster errichtet wurde. Er befreite das Kloster von allen darauf ruhenden Lasten. Dafür erhielt er vom Kloster 35 Mark Silber.

Einen Schlusspunkt der Gründungsphase setzte Bischof Volrad in seiner Bestätigungsurkunde, die er erst am 6. April 1267[12]ausstellte. In dieser Urkunde werden alle Schenkungen des Mutterklosters aufgezählt, außerdem erwähnt der Bischof  in der Urkunde, dass er das Kloster deshalb genehmigt habe, weil das Mutterkloster St. Jacobi überfüllt gewesen war.

Bischof Volrad war der größte Förderer des Aderslebener Klosters. Das galt auch, wie bereits erwähnt, für die Klöster Burchardi, Helfta und Hedersleben, so dass man sagen kann, dass er wie seine Vorgänger Meinhard und Konrad ein besonderer Freund des Zisterzienserordens war. Bischof Volrad bedachte das Kloster immer wieder mit Schenkungen aus seinem eigenen Besitz. Noch kurz vor seinem Tode im Jahre 1288 übereignete er dem Kloster die Zinsen aus 30 Hufen, um die Feier seiner memoria durch die Nonnen von St. Nikolaus zu sichern.[13]Als die Grafen zu Aschersleben und Fürsten von Anhalt Otto und Heinrich 1272 auf  ihre Patronatsrechte an der Aderslebener Pfarrkirche zugunsten des Klosters verzichtete, verlieh Bischof Volrad diese 1270 dem Kloster Adersleben „mit allen Rechten". Der Propst wurde bei der Übernahme seines Amtes mit der Seelsorge betraut. Die Nonnen und der Propst wurden außerdem von der Jurisdiktion des Archidiakons befreit.[14]

Die Grafen Otto und  Heinrich überließen dem Kloster mit der Kirche auch eine ganze Straße in Adersleben mit acht freien Höfen.[15]

Das Kloster Adersleben stand in hohem Ansehen bei  den Adelsgeschlechtern und Bürgern der Umgebung. Von der Anzahl seiner Konventualinnen her zählte das Kloster zu den größeren des Bistums Halberstadt. Jedoch galt es nie als ein reiches Kloster noch als ein bedeutendes.

Versucht man nun eine Filiationslinie für das Kloster Adersleben zu entwickeln, gerät man in eine weitere Unschärfe. Klar ist, das Mutterkloster ist das Jacobi/ Burchardikloster vor Halberstadt. Die Frage, ob Bischof Konrad von Krosigk (1201-1208) Zisterzienserinnen aus Wöltingerode in das Jacobihospital einführte, in diesem Falle ließe sich eine Linie Wöltingerode 1188 - Ichtershausen 1147 - Wechterswinkel 1134 -  entwickeln, oder ob der Bischof in eine am Hospital bereits bestehende Gemeinschaft die Zisterzienserregel eingeführt hat, lässt sich bis heute nicht mit Sicherheit beantworten.

 Filiationslinie

Klösterliches Leben

 

Über das klösterliche Leben in Adersleben sind wenige Hinweise auf uns gekommen.

Als Amtsinhaber werden genannt: Propst, Äbtissin, Priorin, Kellnerin, Kämmerin und Sichmeisterin. Die Nonnen, deren Zahl sich meist um die 20 bewegte, gehörten im wesentlichen dem Bürgertum an, Adlige sind nur vereinzelt zu finden. Stammten die Nonnen zunächst vornehmlich aus der Umgebung von Adersleben, änderte das sich nach dem Dreißigjährigen Krieg. Keine der 17 Konventualinnen, die 1804 im Kloster lebten, stammte aus dem Fürstentum Halberstadt, aber allein 9 stammten aus der Stadt Hildesheim oder aus deren Umland.[16]

Im Mittelalter war das Kloster Adersleben dem Bischof von Halberstadt unterstellt und gilt daher nicht dem Zisterzienserorden inkorporiert. Das änderte sich erst mit dem kaiserlichen Restitutionsedikt von 1609. Mit ihm setzte eine Reihe von Visitationen durch den Generalkommissar des Ordens ein. Nach und nach übernahmen Mönche des Zisterzienserordens die Seelsorge des Konventes und ab 1650 auch das Amt des Propstes.[17]

Über die Herkunft der Seelsorger in früherer Zeit ist nichts bekannt. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Adersleben von den Äbten der Klöster Huysburg und Ballenstedt visitiert. Im 16. Jahrhundert waren überwiegend Seelsorger und Pröpste aus Hamersleben in Adersleben tätig.

Neben dem Patronat an der Pfarrkirche in Adersleben besaß das Kloster seit 1509 die Patronatsrechte an der Kirche in Gunsleben. 1804 oblag dem Propst des Klosters die Seelsorge der in den Orten Wegeleben, Rodersdorf, Deesdorf  und Gröningen lebenden Katholiken.[18]

Wie die Urkunden überliefern bestanden zu verschiedenen Klöstern und Stiften im Bistum Halberstadt tiefere Beziehungen. Besonders zum Mutterhaus, dem Kloster St. Burchardi, zum Nachbarkloster Hedersleben, zu den Klöstern Ilsenburg, Ballenstedt, Huysburg, Gernrode, St. Simon und Judä in Goslar, Quedlinburg und Hamersleben. Belege für konkrete Gebetsgemeinschaften mit anderen Konventen fehlen, jedoch kann man eine Gebetsgemeinschaft mit den Gemeinschaften St. Burchardi, Gernrode und St. Simon und Judä  voraussetzen, wie das unten noch zitierte Fürbittgebet zeigt.

Es lässt sich nicht ausmachen, ob das Kloster Adersleben eine Bibliothek besaß. Das 1804 angelegte Inventar sagt ausdrücklich, dass dort keine Bibliothek bestanden habe.[19] Ob das allerdings auch für frühere Zeiten zutrifft ist fraglich.

In seinen Aufzeichnungen überliefert uns Pfarrer Kunze eine äußerst seltene zeitgenössische Beschreibung einer feierlichen Einkleidungszeremonie. Er berichtet für den 1. September 1341 folgendes: Bischof Albrecht II. (1324-1357) schenkt dem Kloster eine halbe Hufe im Felde von Wegeleben zur Ausstattung der in das Kloster aufgenommenen Tochter des Ritters Ulrich Kegel. Die feierliche Einkleidung wird so beschrieben: „ Nachdem dieselbe im Probejahr mit den Regeln des Cistersienser=Ordens bekannt gemacht war, dass eine Nonne nie aus dem Kloster gehen, keine männliche, noch weibliche Person zu sich kommen lassen, auch nur, mit Vorwissen der Äbtissin, irgend eine Person, am Sprachgitter sprechen dürfe, und sie das Gelübde der Keuschheit, des Gehorsams und der Armuth thun müsse, war vom Bischof Albrecht der Egidien- Tag (1. Sept.) zu ihrer Einkleidung bestimmt. Am morgen des Tages,  als der Bischof angekommen und feierlich von allen Nonnen empfangen war, unter dem ersten Geläute der Glocken, trug unter dem zweiten Geläute die jüngste der Klosterschwestern, Sophia von Quedlinburg, die Kleidung der Novize, Schleier und Ring, auf den Altar. Mit dem dritten Geläute begann der Gottesdienst. Zwei ehrwürdige bejahrte Nonnen aus dem Kloster St. Jacob vor Halberstadt, Priorin und Subpriorin, führten die Novize, im Geleite ihrer nächsten Verwandten, zum Altare vor den Bischof, welcher die feierliche Messe selbst verrichtete. Unter der Ermahnungsrede, welche die Novize kniend zwischen den beiden Brautmüttern anhörte, wurden in gewissen Pausen, vom Nonnenchor die gewöhnlichen Litaneien abgesungen. Nach denselben sprach der Bischof den Segen und weihete die auf dem Altare liegenden Ordenskleider, das weiße wollene Habit den schwarzen Skapulier und den Weihel ( Schleier) mit Weihwasser ein. Die Brautmütter führten die Novize hinter den Altar und legten ihr die geweihten Kleider an, kehrten mit ihr vor den Altar zurück und die Geschmückte sang auf ihren Knien: „ Ich bin Christi Magd usw." Hierauf  reichte der Bischof ihr den Schleier und den Ring, als Zeichen der Vermählung mit Christo und den Kranz ihrer ewigen Jungfrauschaft. Der Bischof sprach den Bann nun aus über alle, welche die Braut des Herrn zur Verletzung ihrer getanen Gelübde verleiten würden. Sie aber besiegelte ihre Treue mit dem Genusse des Altarsacramentes und ward dann  der Aufsicht der Äbtissin übergeben."[20]

 

Geistliche Stiftungen

 

Einige Last und Verdruß erwuchs dem Konvent aus der Menge der Memorialstiftungen. Und der Notwendigkeit deren treue Erfüllung durch das Kloster. Die Stiftungen zur Memoria bestanden meist aus Kapitalien passiver Art denen keine Zinsen folgten. Dem Kloster fehlte schlicht das Geld, um die Altäre würdig zu schmücken, für Kerzen  und um die Kosten für die Zelebranten aufzubringen. Diesbezüglich gab es im Kloster Adersleben 1431, 1443, 1450 und 1455[21]Beschwerden an den Bischof. In allen Fällen versprachen die Äbtissin und der Konvent,  diese Verpflichtungen treu zu erfüllen. Jedenfalls kann man das Kloster nicht der Undankbarkeit bezichtigen. Durch Almosen an Arme, Kranke und Schwache, durch Gastfreundschaft und Gebet zeigte das Kloster dem Geiste der Zeit entsprechend, seine Dankbarkeit. Folgendes Fürbittgebet wurde sonntags öffentlich für die Wohltäter gebetet und ist uns überliefert: „ Biddet God den herrn vor de Stifters düsses jeghenwardigen Godeshuses unde vor alle Woldeders düsses Klosters, de in God den Herrn verstorben sin:

Vor den Bischop to Halberstadt und Erzbischop to Magdeborch,

vor dat Maderkloster St. Jacobi bi Halberstadt

vor de Stifte to Gerenrode und St. Simon und Judae to Goslar,

vor de Graven Ascharien und Fersten to Anhalt,

vor de Graven von Kercberg,

vor de Herren van Wegleve, van Suselitz, van Schwanebeck etc.

 

Ok wer se sus mehr in andern Stedten und Landen in God verstorben sin und hebben ere Gedechtnisse bi dem Closter nagelaten. Unde vor alle de hyr thor Stede ere Leichname rowen in den Herrn, und sint in des Closters Denste west. Dessen geve God Allen de ewige Frowde und ene frölige Upstandinge in den letzten Gerichte. Amen"[22]

Die zahlreichen Seelgerätstiftungen weisen jedenfalls auf die große Wertschätzung hin, die das Kloster bei den Bürgern und Adelsgeschlechtern genoss.  Hier möchte ich zwei Stiftungen erwähnen, die aus dem Kloster selbst stammen. Die Töchter des Bartold Königs, Nonnen in Adersleben, kauften im Jahre 1300 eine halbe Hufe in Adersleben, die nach ihrem Tode an die Klosterkasse fallen sollten, mit der Auflage, dass den Nonnen nach der Messe zum Gedächtnis der Stifterinnen und deren Eltern eine halbe Kanne Bier beim Frühstück zur Labung gereicht werden solle. Andere Konventualinnen stifteten 1341 aus den Erträgen von 18 Morgen Land, die sie mit eigenem Geld gekauft hatten, jeder Person im Kloster jeweils einen Denar zur Anschaffung von Butter an den Festen St. Jacobi und Maria Geburt.[23]

Eine Stiftung aus dem Jahre 1465 weist allerdings darauf hin, dass das Vertrauen in das Kloster durch diese Auseinandersetzungen nicht gesunken ist. In Gegenwart des Bürgermeisters, des Vizebürgermeisters und der gesamten Gemeinde der Stadt Wegeleben gab Hans von Dorstedt dem Kloster 100 rheinische Floren zum Heil seiner Seele und zur Erhaltung der gottgeweihten, Gott Tag und Nacht dienenden Nonnen.[24]

 

Wirtschaftliche Verhältnisse

 

Über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters, der Grundbesitz ausgenommen,  sind wir wenig informiert. Den größten Teil seiner Besitzungen erwarb das Kloster im späten 13. und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, teils durch Schenkungen, teils durch gezielte Ankäufe.

Das Kloster Gröningen schenkte 1260 eine Mühle in Gunsleben. Der Ritter Helmbert von Adersleben verkaufte dem Kloster 1266 mit Zustimmung seiner Frau und seiner Söhne sein dortiges Landgut und Curie mit einem massiven, beheizbaren Wohnhaus aus Stein für 25 Mark.[25]

Nach und nach ging das Dorf Adersleben in dem Kloster auf. Bischof Burchard (von Warburg) verkaufte 1455 die Dorfstätte für 35 Mark an das Kloster und bestimmte, dass in Zukunft niemand dort wohnen sollte, da nun alles dem Kloster gehörte. Adersleben wurde als wüst erklärt.[26]

Im Jahre 1299 gelang es dem Kloster den Besitz, den das Stift Simon und Juda Goslar in Adersleben, Hedersleben und Harsleben besaß gegen eine jährliche Kornrente an das Stift zu erwerben. Dieser Besitz umfasste 64 ½ Hufen, eine Mühle, Wiesen, Weiden und Holzungen. Die Kornrente wurde durch Geldzahlungen abgelöst bis das Kloster durch Vertrag vom 27. November 1613, der 1614 vom Domkapitel als Landesherrschaft und 1616 von Kaiser Matthias bestätigt wurde, für 1050 rheinische Gulden das volle Eigentumsrecht erwarb.[27]

Als unter Kardinal Albrecht 1535 der Besitzstand aufgenommen wurde besaß das Kloster 77 zehntfreie Hufen, den halben Zehnten, die Mühle, vier Holzflecke im Hakel , eine Wiese genannt die Winke und zwei Hopfengärten. Hinzu kamen an auswärtigem Besitz zwei freie Höfe mit 25  Hufen und eine Wiese in Hedersleben, 3 ¾ Hufen und Häuser in Harsleben, Erbzinsen in Quenstedt, Schwanebeck, Krottdorf, Deesdorf, Kroppenstedt, Haus Gröningen, Wegeleben und Rodersdorf, sowie ein Kamp (ein Stück Land) über der Bode. Streuhufen besaßen das Kloster in Großquenstedt und dem heute wüsten Wiby.[28]

Das Einkommen des Klosters stammte aus der Eigenbewirtschaftung seiner Güter und aus Geld- und Naturalrenten. Ab dem 15. Jh erlangte das Kloster auch Einnahmen aus Darlehen und Hypotheken.  U. a. borgte sich das Kloster Sittichenbach im Jahre 1516 vom Kloster Adersleben  25 rheinische Gulden.[29] Wegeleben borgte sich 1595 auf 9 Jahre 100 Taler.[30]

Halberstadt nahm 2 Kredite auf: 1518 borgte sich der Rat 100 rheinische Gulden zu 4 Gulden jährlichem Zins und 1599 lieh der Magistrat 1000 Reichstaler zu 50 Taler jährlichem Zins.[31]

Die nur wenige Jahre später auf das Kloster hereinbrechenden Leiden und Drangsale des 30 - jährigen Krieges zwangen jedoch die übrig gebliebenen Nonnen auf Wiederbezahlung jedes, auch noch so kleinen ausstehenden Kapitals „bittend und flehend" zu dringen. So bestätigt eine Quittung vom 19. Oktober 1638, dass die Stadt Wegeleben die 1595 erborgten 100 Taler zurückgezahlt hat.[32]

 

Weitere Schicksale

 

Betrachtet man den St. Galler Klosterplan, ist man geneigt zu glauben, dass ein Kloster, insbesondere benediktinischer Prägung, im Idealfall autark, also unabhängig von der Außenwelt existieren kann. Die weiteren Schicksale unseres Klosters zeigen uns aber, dass das keineswegs so ist.

Kein anderes Ereignis hat die europäische Welt so nachhaltig geprägt, wie  die seit 1347 immer wieder auftretenden Pestwellen , in deren Folge oft eine große Hungersnot auftrat.

Als das Bistum Halberstadt 1460 erneut von einer Pestwelle heimgesucht wurde, löste diese eine Hungersnot aus, welche nach der Klosterchronik von Hedersleben bis 1485 andauerte.[33]

Vo einer Äbtissin, Catharine III. Niehus, wissen wir, dass sie am 10. November 1635 im Nikolaikloster, wohin sie sich vor den Ereignissen des 30-jährigen Krieges geflüchtet hatte, an der Pest starb.[34] 

1485 wurde das Kloster im Rahmen der bischöflichen Reformbewegung vom Abt des Klosters Huysburg und im Jahre 1496 vom Abt des Klosters Ballenstedt visitiert. In seinem Bericht beschreibt der Ballenstedter Abt die Zustände des Klosters als sehr desolat. „Sie sind recht arm; niemanden haben sie, der sich um sie kümmert. Die Klausurvorschriften können sie nicht einhalten, wegen des Wechsels der Vorgesetzten. Friedrich von Hoim und der Offizial stellen einen Präfekten der Halberstädter Kirche.[35]

Im Jahre 1517 gab es in der Gegend wieder „ ein so förchterliches Donnerwetter, welches alle Feldfrüchte totaliter ruiniert und zerschlagen hat, und anno 1527 grassierte in diesen Gegenden die Pest" [36]

Zwei weitere Ereignisse im Jahre 1525 trafen das Kloster schwer.

„Am 27. Mai 1525 überfiel eine Menge Harzbauern, bei 200 Köpfen, des Nachts das Kloster Adersleben, plünderten 3 bis 4 Stunden, und nahmen mit sich fort, alles was sie erhaschen, tragen und fahren konnten".[37]

Anfang Oktober verurteilte Kardinal Albrecht die Bauern von Wegeleben, 500 Floren Schadenersatz an das Kloster zu zahlen. Im „Vorzeichnus der straff, wie die im stifft Halberstadt sol furgenommen werden" heißt es: „ Die von Wegeleben haben das closter Adeßleben ausgepocht und zuschlagen, was da ist geweßen, und des closters gut under sich gebeutet und stets ufrur im fleck gehabt, die torn zugehalden, mit buchsen geschossen und sich als kriegsleute gehalden. 500 fl. zu abtrage.[38]

Im selben Jahr traf das Kloster auch noch ein Verlust wirtschaftlicher Art. Heinrich der Jüngere, Herzog von Braunschweig, fordert vom Kloster Adesleve 2 Höfe, 1 Schäferei und 11 Hufe Landes wieder zurück, weil diese Güter braunschweigisches Lehen wären.[39]

Die schwersten Jahre kamen aber für unser Kloster erst mit dem 30-jährigen Krieg. Die Äbtissin Anna IV., geb. Müller, hatte als Wahlspruch: „ Wenn wir der Schuldigkeit einer Cisterzienser-Nonne genügen wollen, so müssen wir jeden Bissen, den wir genießen, mit Tränen befeuchten."[40]  Oft ist dieser Wahlspruch in den Jahren des 30 -jährigen Krieges für die Nonnen unseres Klosters in Erfüllung gegangen. Unter der Äbtissin Anna IV. besetzten schwedische Truppen 1631 das Kloster und seine Güter. Der kommandierende Offizier befahl den 20 Konventualinnen binnen 24 Stunden das Kloster zu räumen. Der Propst, Johannes V., wurde vertrieben, die Nonnen konnten zunächst bleiben. Erst auf das Drängen der in Wegeleben wohnenden Ritter Siegfried und Jakob von Neindorp hin, widerrief der schwedische Kommandeur seinen Räumungsbefehl.  Allerdings wurde den Schwestern so kleine Rationen zugeteilt, dass sie kaum überleben konnten. 1632 übergaben sie ihr Kloster dem schwedischen Kommissar Bauer. Sie flüchteten nach Wegeleben und Halberstadt, wo sie bei den Dominikanerinnen in St. Nikolai Zuflucht fanden. Hier starb 1635 die Äbtissin Katharina III. an der Pest. Ihre Nachfolgerin, Lucretia, geb. Pröbel, kehrte 1637 mit ihrem mittlerweile auf drei Nonnen reduzierten Konvent aus dem Exil in ihr schwer zerstörtes Kloster zurück. Wo sie am 29. Juni 1642 starb.

Der Konvent zu Adersleben bestand nun noch aus zwei Professen. So wurde aus dem Mutterkloster Burchardi Anne Magdalene, geb. Pauermeister, am 8. Juli zur Äbtissin gewählt. Sie schreibt in einem bei ihrem Amtsantritt angefertigten Verzeichnis: „ Als ich ad officium Komen, fund ich zwei Professen, Schwester Anne Reckhusen, Priorin und Schwester Magdalena Sainz, Cantrice. Aller Kirchenornat ist bei den Kriegszeiten weckkomen. Ich finde nur 2 silberne vergoldete Kelche, deren ein versetzt bei M. Hans, dem Schweneschneider für 15 Floren, 1 Alba, 2 Casel. Die Abtei ganz wüste und ausgerissen, weder Thür noch Fenster, das ich darin nicht kunte wohnen. Schlafhaus, Chor und Klostergebäude ganz zerstört; haben uns vorerst auf der Propstei behelfen müssen. Ferner ist mir von der Priorin überantwortet worden: Klostersiegel von Kupfer, 2 güldene Ringe, deren 1 zerbrochen, aus dem andern ist der Stein, 2 kleine silberne Becher, ein vergult, 1 silberner Löffel, 4 stiege Leinwand, 2 Paar Bettlaken, in der Küche 6 zinnerne Schüsseln, 1 ½ zinnerne Löpfel, 3 schlechte und 4 ziemlich zinnerne Teller, 1 Slazfaß, 1 Messingdurchschlag und drei schlechte Köhe. Unter dem Dache fand ich an zwei Orten ein Stück Lunten und Pulver."[41]

Das war alles, was noch übrig war von dem einst blühenden Kloster.

Im September 1643 verpachtete die Äbtissin die ganze zerstörte Klosterwirtschaft für 9 Jahre an den Obristleutnant von Bortfeld, Erbsaß zu Börneke.

Im Ergebnis des westfälischen Friedens konnten die Nonnen das Kloster und den Besitz wieder aufbauen, die Nonnen sammelten sich  und der Konvent wuchs bald wieder auf bis zu 20 Konventualinnen an.

Zu den eigenartigsten Erscheinungen der Reformationszeit gehören die 17 katholisch gebliebenen Klöster in den Bistümern Magdeburg und Halberstadt. Unter den erhalten gebliebenen Klöstern stehen die Zisterzienserinnen mit 7 Klöstern an der Spitze, die bis auf das Burchardikloster freie Zisterzienserinnenklöster waren, das heißt, dass sie keine Beziehungen zum Ordensverband hatten und dem Bischof unterstanden.

Für unser Kloster in Adersleben gibt es in den Urkunden bis zur Reformationszeit keinen Hinweis auf Beziehungen zum Ordensverband der Zisterzienser. In den Statuten der Generalkapitel des Ordens taucht Adersleben bis zur Reformationszeit ebenfalls nicht auf[42]. Für Adersleben hatten wir festgestellt, dass der Probst vom Bischof unter Schwächung der Stellung des Archidiakons mit der Ausübung der Pfarrechte betraut wurde. Der ganze Komplex, Pfarrei und Kloster, verblieb in der Diözesanorganisation, mit der Stärkung der Stellung des Bischofs.

In der Zeit vor der Reformation versuchten die Bischöfe verstärkt Ordensreformen durchzuführen, womit sie letztlich ihr landesherrliches Kirchenregiment verstärken wollten.

Im Auftrage des Diözesanbischofs entstanden Beziehungen der Zisterzienserinnenklöster zu verschiedenen Abteien und Orden, die Pröpste und Seelsorger für diese Klöster stellten und deren Äbte bei Visitationen, Wahlen und der Rechnungslegung in Funktion traten. Dazu heißt es in der Chronik von Herdersleben: „ Dan Ammensleben besorgte das closter Adersleben, Huyseburg herentwegen das closter  S. Burchard und Hammersleben  dießes closter in Herdersleben...." Urkundlich lassen sich für Adersleben  1484/85 das Kloster Huysburg / OSB  und 1496 das Kloster Ballenstedt / OSB nachweisen.[43]

In der Zeit der Reformation gingen viele Zisterzienser- und Zisterzienserinnen unter. In den Diözesen Magdeburg und Halberstadt bewiesen die Zisterzienserinnenklöster allerdings eine erstaunliche Widerstandskraft, so dass eben 7 von 20 Klöstern des Ordens bestehen blieben.

Die evangelischen Visitatoren der katholischen Klöster beklagten sich 1573: „ 2. viel frembde papisten und sonderlicher Bernhardiner finden sich in die closter und stercken die personen mit irem halsstarrigen furnehmen." Für diese Zeit lassen sich für Adersleben als Pröpste und Seelsorger nachweisen: Matthias Schaper, Hamersleben + 1548, Christoph Hiller, Hamersleben + 1578, Johannes Crod, Hamersleben,+ 1631. [44]

Halten wir fest: Für diesen Zeitraum lassen sich stärkere Bindungen der Zisterzienserinnenklöster in unserem Betrachtungsgebiet an die Orden der Benediktiner und Augustiner feststellen.

Am 6. März  1629 erließ Kaiser Ferdinand II. das Restitutionsedikt . Der Abt des Klosters Kaisheim war als kaiserlicher Commissarius mit der Exekution des Edikts beauftragt. Die Restitutionskommission des Zisterzienserordens bereiste auch das Bistum Halberstadt. Man kann davon ausgehen, dass  der Abt von Kaisheim auch das Kloster Adersleben besuchte. In einem Brief an den letzten Bischof von Halberstadt, den katholischen Bischof Leopold Wilhelm von Habsburg, schrieb der Abt, dass in den Klöstern St. Burchard, Adersleben und Hedersleben eine notwendige Reform vorgenommen werden müsse. Diese Reform bedeutete auch, dass im Laufe der Zeit die Pröpste und Seelsorger in den Klöstern durch Zisterzienserpatres ersetzt wurden und damit die Inkorporation in den Orden erfolgte, ohne einen förmlichen Antrag an das Generalkapitel.

In Adersleben war der erste Propst aus dem Zisterzienserorden Antonius Lohe aus dem Kloster Altenberg nach 1666. Als Propst des Klosters Adersleben wurde er zum Abt des Klosters Marienrode gewählt. Nun finden wir bis zur Auflösung des Klosters nur noch Pröpste aus dem Zisterzienserorden.

Für diesen Zeitraum lässt sich festhalten, dass infolge der Durchführung des Restitutionsedikts die sechs freien Zisterzienserinnenklöster im Bistümern Magdeburg und Halberstadt mit dem Orden verbunden wurden.

Als der Westfälische Frieden in Kraft trat konnten die sieben Zisterzienserinnenklöster der beiden Bistümer ihre Existenz für den ersten Januar 1624 bzw. im Bistum Halberstadt für den 12. November 1627 (die Normaljahre des Westfälischen Friedens bzw. des Prager Friedens) nachweisen. Somit sicherten  die Bestimmungen über die Normaljahre des Westfälischen Friedens und der Existenznachweis zu den jeweiligen Zeiten das weiter bestehen der Klöster.

Einige Schwierigkeiten brachte die Zeit nach dem Friedensschluss, durch welchen das Bistum Halberstadt ein preußisches Fürstentum wurde. In diesem Zusammenhang ist für uns wichtig, dass die Interessen des Ordens und des Kurfürsten bzw. Königs, der sich als Rechtsnachfolger des Bischofs als Summus episcopus sah, bei Wahlen und Visitationen oft auseinandergingen.

Noch 1725, bei der Wahl der Äbtissin Maria Elisabeth Pauli, legte der Propst Beschwerde gegen die Anwesenheit der königlichen Kommissare ein. Er drang mit seinem Protest allerdings nicht durch, obwohl er ihn bis zum Reichshofrat nach Wien gelangen ließ.

Auf der anderen Seite scheint die kurfürstliche Regierung die Beteiligung des Ordens an der Wahl der Äbtissinnen von Anfang an akzeptiert zu haben. Als der „ commissarius des Progeneralvicars des Zisterzienserordens" zur Wahl der Aderslebener Äbtissin Anna Lydwina Kettler 1680 nicht kommen konnte, wies die Halberstädter Regierung den vicarius in spiritualibus im Domkapitel an, „ sothane election der abbatissa im Closter Adersleben mit zuziehen eines Propstes im fürstenthumb als ordenspersohn dem herkommen und ordensregeln gemes ohne säumnis gebuhrend ins werck zu setzen."[45]

Die Klöster unseres Betrachtungsgebietes waren aber nicht nur dem Ordensverband angeschlossen, sondern sie bildeten eine lose Vereinigung aller katholischen Klöster. Der Zweck dieser Vereinigung war es, Forderungen des Landesherren gemeinsam zu begegnen. Im Fürstentum Halberstadt nannte sie sich „ Confoederatio der gesamten katholischen Prälaten in principatu Halberstadensi."

Neben den Zisterziensern behielten auch die Halberstädter Franziskaner und Dominikaner ihren Platz in den Klöstern, wo sie als Seelsorger und Beichtväter wirkten. Für Adersleben lässt sich die Tätigkeit der Dominikaner für die Jahre 1799, 1804, und 1808 nachweisen.[46]

Wir können festhalten, dass der Zisterzienserorden sich voll in seinen hiesigen Frauenklöstern durchgesetzt hat. Die gehäuften Visitationen durch ausländische Ordensobere, auf Widerspruch des Landesherren stießen, der darin eine Beeinträchtigung seines landesherrlichen Kirchenregimentes sah. Die Ansprüche des Landesherren haben allerdings die Verbindungen zum Ordensverband nicht zerstört, ebenso wenig die Aktivitäten in der Confoederatio.

In den Klöstern teilten sich die Zisterzienserpatres die geistlichen und seelsorglichen Aufgaben mit den Franziskaner - und Dominikanerpatres aus den beiden Halberstädter Klöstern der Orden.

In den Auseinandersetzungen zwischen der Landesherrschaft und dem Orden ging es um Einflüsse. Als problematisch erwiesen sich der Niedergang der Disziplin in den Klöstern, die hauptsächlich in den schwachen Charakteren der Pröpste begründet war, und den fehlenden Visitationen.

Die Verhältnisse besserten sich langsam, was auch die rege Bautätigkeit im 18. Jahrhundert beweist. Über die mittelalterliche Klosteranlage ist fast nichts mehr bekannt. Im Bauernkrieg wurde das Kloster schwer beschädigt und im Dreißigjährigen Krieg verwüstet. Der ganze Klosterkomplex musste also erneuert werden. Von der alten Klosteranlage hat sich nur der spätromanische Taubenturm erhalten, der heute leider ruinös ist.

Dass der barocke Wiederaufbau des Klosters auf den Fundamenten der mittelalterlichen Anlage erfolgte, davon kann man ausgehen. Begonnen hat der Wiederaufbau unter Propst Albert Floren (1667-98 ). Wie Stephan Kunze überliefert, bemühte er sich aus allen Kräften das Kloster wieder empor zu bringen, wegen der Armut allerdings konnten die Bauten nur aus Erde errichtet werden, die dadurch nicht dauerhaft waren.[47] Erst unter der Amtszeit des Propstes Theodor Ringe, der mit 27 Jahren zum Propst gewählt wurde, erfolgte der eigentliche Aufbau der barocken Klosteranlage. Die Kirche ließ der Propst in den Jahren 1752 bis 1755 erbauen und stiftete im Jahre der Fertigstellung eine Orgel. Diese wurde von Adolarius Popenius aus Halberstadt erbaut, der Prospekt ist heute noch erhalten.

Der nachfolgende Propst, Jodocus Sander, stiftete in den Jahren 1777 - 88 die zwei Seitenaltäre und die Kanzel.

Als 1793 der nachfolgende Propst, Nicolaus Thomann den Hochaltar stiftete und 1796 alle drei Altäre vergolden ließ, konnte er noch nicht wissen, dass das Ende des Klosters nicht mehr in weiter Ferne lag.

Lange konnte sich der Konvent nicht mehr an dem neu errichteten Konvent erfreuen. Als 1804 die Männerklöster in dem ehemaligen Bistum Halberstadt aufgehoben werden sollten, stellte die preußische Regierung Überlegungen an, wie mit den Frauenklöstern zu verfahren sei. Das Burchardikloster und das Kloster Adersleben sollten aufgelöst und die Schwestern, im Kloster Hedersleben konzentriert werden, um dort ihren Tod zu erwarten. Zur Ausführung kam dieser Plan nicht. Vom Jahre 1807 an bis zum Jahre 1813 gehörte das ehemalige Bistum Halberstadt zum Königreich Westfalen. Die Regierung des Königreiches verfügte per Dekret am 13. Mai 1809 die Aufhebung des Klosters Adersleben. Durch den Domänendirektor Krieger wurde dem Konvent am 25. Mai 1809 das Dekret bekannt gemacht und die Auflösung durchgeführt.

Aber hören wir noch, wie  Stephan Kunze das Ende des Klosters beschreibt: „ So, 1809, mitten im Leben und Wirken, die fromme Mutter mit ihren Töchtern im verschönten Gotteshause knieend, der Vater, bei der Schäferbrücke beschäftigt, die Strömungen des reißenden Bodeflusses zu hemmen, und die blühenden Auen, Wiesen, Gärten und Felder vor den vernichtenden Fluten zu sichern und zu erhalten, erscheint, urplötzlichen Falls, ganz unerwartet, der Todesschlag für das herrliche Kloster und seine Familie,..., indem der am 25. Mai angekommene Domänendirektor Krieger das Königliche Dekret vom 13. Mai dem zusammen berufenen Konvent publicirt: dass, nebst mehreren Klöstern, auch Adersleben von dem Bankier Jakobson aus Braunschweig verkauft und vernichtet sei."[48]

Die Äbtissin Humbelina Schleissner und der Propst Jacob Hambach erhielten eine jährliche Pension von je 1.200, die 12 Nonnen, die den Konvent ausmachten, von je 700 Franken.

Von Jakobson erwarb der Amtmann Vogel das Kloster, der es später seinem Pächter, dem Oberamtmann Meyer verkaufte. Von dessen Sohn kaufte es 1841 die Hannoversche Domänenkammer ab. Seit 1866 ist das Kloster eine Preußische Domäne. Von dem Verkauf ausgenommen waren die Kirche und Wohnungen für zwei Geistliche, Schullehrer und Küster im Kreuzgang.

Wir haben jetzt die Schicksale des Klosters Adersleben betrachtet. An diesem Ort haben 549 Jahre lang ehrwürdige Nonnen mit allen Höhen und Tiefen menschlicher Existenz versucht, ihren Weg zu Gott zu gehen. Sie sangen Tag und Nacht sein Lob, bauten auf und verloren alles mehrmals. Als sie den Ort verlassen mussten, hinterließen sie ein blühendes Kloster, dessen weitere Schicksale eine neue Geschichte ist.

Namen nennen ist Erinnerung und Erinnerung ist Begegnung. So sei es mir zum Schluss noch erlaubt, einige Namen zu nennen.

Jutta, 1260, erste Äbtissin

Beata Schenke, 1432, machte 1466, der Not gehorchend, die Äcker zehntbar und verkaufte den halben Zehnt für 150 Mark an den Domvikar Jacob Sennenberg

Anna III Mewes, 1523, von ihr wird erzählt, dass, als sie die ewige Lampe wartete, um Mitternacht auf dem Hochaltare einen großen, hellbrennenden Leuchter sah, welcher aber plötzlich durch das große Fenster hinausgefahren sei. Dies erzählte sie den Nonnen am Morgen, und in der Nacht starb die Äbtissin Anne von Neindorf, und sie ward deshalb von den anderen Nonnen zur Nachfolgerin gewählt.

Oda II., 1590. Der Ruhm ihrer Frömmigkeit, Demut und Menschenfreundlichkeit hatte sich bis auf die späteste Zeit erhalten.

Johanna Elisabeth Bernardi, ward wegen ihrer allzu großen Strenge gegen die Nonnen abgesetzt. Dazu wird folgender Satz überliefert: „ Nur Haberbrod und ungeschmalzene Kräuter müssen unser Leben erhalten."

Maria Elisabeth Pauli, wurde am 30. Januar 1725 zur Äbtissin gewählt. Sie war ein Muster  der Demut, des Choreifers und der Liebe und Barmherzigkeit. Sie war die erste, die auf ihrem Totenzettel den Titel „Reverendissima" erhielt. Da sie ihren nahen Tod merkte, nahm sie mit allen ihren geistlichen Schwestern das heilige Abendmahl, bat alle um Verzeihung, indem sie allen die ihre Hand reichte, und ging zur Erbauung aller in Frieden heim.

Humbelina Schleißner, am 23. März 1741 geboren, am 19. Juni 1787 zur Äbtissin gewählt, erlebte als letzte Äbtissin die Aufhebung des Klosters.

 

Siffridus, 1260, erster Propst

Antonius Lohe, 1667, erster Propst aus dem Zisterzienserorden. Er wurde als Propst zu Adersleben zum Abt des Klosters Marienrode gewählt.

Albertus Floren, 1667,  geboren zu Wegeleben, Er war 31 Jahre Propst. Als Propst bemühte er sich aus allen Kräften das Kloster wieder empor zu bringen. Bei der Armut des Klosters baute er alles aus Erde, daher sind die Gebäude aus seiner Zeit nicht dauerhaft ausgeführt.

Theodor Hülsemann, 1698, stammte aus Bremen, Er kam oft in Verlegenheit wegen der Arbeiter, Knechte und Mägde, da er nur Leute von Katholischer Konfession in Dienst nehmen wollte. Er führte einen Prozeß mit den Gebrüdern Heinecke, die durch den Bau ihrer Dammmühle der Klostermühle sozusagen das Wasser abgruben, weshalb ihn die Wegeleber ersäufen wollten, jedoch ward er aus ihren Händen mit Hilfe der Obrigkeit gerettet. 1708 baute er die beiden Flügel des Klosters gegen Osten und Norden und die Mauer um den Propst- und den Conventsgarten. Verschiedene Gerechtsame hat er wieder an das Kloster gebracht und den Froschpfuhl urbar gemacht. Theodor Hülsemann war 20 Jahre Propst in Adersleben.

Theodorus II. Ringe, erhielt die Propsteiwürde im Alter von 27 Jahren.. Menschenfreundlichkeit und Demut zeichneten ihn aus, bei guten Kenntnissen, so eine zeitgenössische Beschreibung seiner Person. In seine Amtszeit fiel der siebenjährige Krieg (1756-63) und ein großes Viehsterben 1754, wo das Kloster 72 Rinder verlor. Er baute die Adersleber Klostermühle 1728 neu auf und ließ in den Jahren 1752-55 die Kirche erbauen, in der er  noch die Orgel erbauen ließ. Er starb am 9. November 1783, nachdem er 56 Jahre als Propst gewirkt hatte.

Jodocus Hambach, seit dem 7. April 1797 Propst, letzter Propst von Adersleben.

 

Das Siegel des Klosters Adersleben

 Siegel-Kloster

Bruder Valentin Arnrich

 

* Auszug aus einem Vortrag. Gehalten am 19.06. 2010 im Kloster Adersleben

 

Worterklärungen:

 

Villa   Besitztum, Domäne, Freigut, Landgut, Weiler, Dorf, Stadt
Hufe   

bezeichnet die Fläche, die eine Familie bearbeiten  konnte und von deren Erträgen sie sich ernähren konnte. Die Größe hing stark von der Bodengüte ab. Man rechnet eine Hufe zu 70.000 bis 250.000 qm.

Kanne    in Deutschland etwa 1 l bis1,5 l.
Stiege   als Zählmaß: 20  Stück; als Längenmaß: 11,68 m.
Mark    Währungsgrundgewicht etwa 250 gr.  Feine Mark-unvermischtes Silber; rauhe Mark-mit Kupfer legiert. 1 Mark = 4 Vierding = 8 Unzen = 16 Lot = 32 Setin = 64 Quentchen = 256 Richtpfennige    
Gulden   von Goldener, Florenus, fl., am bekanntesten waren die Rheinischen Gulden als Gemeinschaftsmünze der geistlichen Kurfürsten und des Kurfürsten von der Pfalz. Guldengroschen - große Silbermünze, ab 1486 geschlagen,später setzte sich der Name Taler durch.
Taler    Wert in Kleinmünzen: 24 gute Groschen = 48 Sechser = 96 Dreier = 288 Pfennige, Oder: 2 Herrengulden = 30 Radleralbus = 30 Kölnische Albus = 60 Clevische Stüber = 120 Fettmännchen = 240 Füchse = 960 Heller

 

 

Namen der Nonnen bei der Auflösung des Klosters

 

Humbelina Schleißner, Äbtissin

Anne Vollmer, Priorin

Juliane Sander

Franziska Einzogel

Cäcilie Bauer

Elisabeth Wolf

Benedicta Marheineke

Robertine Westermann

Helena Bierwerth

Theodora van Eß*

Humbelina Hölscher

Josephe Meyer

Philippine Pöchting

 

*Theodora van Eß, + 4. August 1828 auf der Huysburg

Schwester von Karl van Eß, letzter Prior der Huysburg und erster bischöfliche

Kommissar im Elbe - Saale Departement.

Cousine von Leander van Eß, Benediktiner in Marienmünster.

 

Literaturverzeichnis:

ECKERLIN, Die Halberstädter Klöster unter Brandenburger Herrschaft, Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde, 40. Jhg., 1907

HILDEBRAND, Die katholischen Klöster im ehemaligen Bistum Halberstadt z.Z. des Großen Kurfürsten und der Bischof von Marokko i.p.i. Valerio Maccioni, Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde, 32. Jhg. 1899

KUNZE, Stephan, Diplomatische Geschichte des Cistercienser-Nonnenklosters Adersleben, Zweites Heft der alten historischen Nachrichten von einzelnen Städten, Dörfern, Klöstern und Burgen des vormaligen Bisthums und Erbfürstenthums Halberstadt, zumeist aus ungedruckten Urkunden und Handschriften, Halberstadt, 1837

OEFELEIN, Cornelia, Das Nonnenkloster St. Jacobi und seine Tochterklöster Im Bistum Halberstadt, Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser, Band 20, Berlin, 2004

SCHLEGEL, Gerhard Hg., Repertorium der Zisterzen in den Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Langwaden 1998

SCHMIDT, Gustav, Beschreibende Darstellung der älteren Kunstdenkmäler des Kreises Oschersleben, Heft XIV, der Historischen Commission der Provinz Sachsen, Halle, 1891

SCHMIDT, Gustav, Urkundenbuch der Stadt Halberstadt I+II, Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete, Halle 1878

SCHMIDT, Gustav, Urkundenbuch des Hochstiftes Halberstadt und seiner Bischöfe, 4 Bde. ,Leipzig 1883-89

SCHRADER, Franz, Stadt, Kloster und Seelsorge, Studien zur katholischen Bistums-und Klostergeschichte Bd. 29, Leipzig, 1988

WARNATSCH-GLEICH, Friederike, Herrschaft und Frömmigkeit, Zisterzienserinnen im Hochmittelalter, Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser, Band 21, Berlin,2005

 


 

 [1] Schmidt, Adersleben, S. 7

 [2] Ebd., S. 5

 [3] UB HBS I, Nr. 18, S. 23

 [4] UB HBS I, Nr. 20 S. 25

 [5] UB HBS I, Nr. VI, 21a, S. 586

 [6] UB HBS II, Nr.  XXX, S. 443 cop.

 [7] Zit. aus: Kunze, S.14 f.

 [8] Ebd. S. 17

 [9] Schmidt, Adersleben, S. 7 f

 [10] UB HBS, Nr. XXX, S. 443

 [11] Kunze, S. 15

 [12] UB HBS II, Nr. XXXI, S. 444, nach Copial im Archiv  Magdeburg

 [13] Oefelein, Nonnenkloster, S. 147

 [14] UB Hochst. HBS, Nr. 1318, S. 410

 [15] Kunze, S. 18

 [16] Repertorium, S. 137

 [17] Schrader, Beziehungen, S. 184

 [18] Repertorium. , S. 138

 [19] Schmidt, S. 13

 [20] Kunze, S. 50ff

 [21] Ebd., S. 110ff

 [22] Kunze, S.35

 [23] Ebd., S. 105/50

 [24] Ebd., S. 63

 [25] Ebd., S. 104

 [26] Schmidt, S. 8, f

 [27] Schmidt, S. 9, Kunze, S. 32

 [28] Kunze, S. 63f, Schmidt, S. 9, Oefelein, S. 153

 [29] Kunze, S. 64

 [30] Ebd., S. 69

 [31] Ebd., S. 113f.

 [32] Ebd., S.70        

 [33] Oefelein, S. 149

 [34] Kunze, S. 72

 [35] Oefelein, S. 149

 [36] Ed., S. 149

 [37] Kunze, S. 65

 [38] Oefelein, S. 150

 [39] Kunze, S. 65

 [40] Ebd. S. 79

 [41] Ebd. S. 73f.

 [42] Schader, Zisterziendserinnen, S. 212

 [43] Ebd., S 216 f

 [44] Ebd., S. 218

 [45] Schrader, Zisterzienserinnen, S. 237

 [46] Ebd., S. 242 f.

 [47] Kunze, S. 79

 [48] Kunze, S. 89

 

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 04. Juli 2010 um 07:53 Uhr
 
 
 
Halberstadt - Samstag, 03. Dezember 2016
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